Warum wird meine Laserschweißnaht porös? Ursachen und was dagegen hilft

Warum wird meine Laserschweißnaht porös? Schweißnaht mit eingeschlossenen Poren – Ratgeber Laserschweißen von beam.deals

Kurz gesagt: Eine Laserschweißnaht wird porös, wenn beim schnellen Erstarren Gas im Schmelzbad eingeschlossen wird. Die zwei Hauptquellen sind verunreinigte Oberflächen (Öl, Rost, Feuchtigkeit, Oxidhaut setzen Wasserstoff frei) und ein instabiler Prozess (unruhiges Keyhole, unzureichendes Schutzgas). Saubere Fügezone, passendes Schutzgas und abgestimmte Parameter beseitigen die meisten Poren.

Warum wird meine Schweißnaht beim Laserschweißen porös?

Poren sind Gasblasen, die es beim Übergang vom flüssigen ins feste Metall nicht mehr rechtzeitig an die Oberfläche schaffen. Beim Laserschweißen läuft dieser Übergang sehr schnell ab – das Schmelzbad ist klein und kühlt in Sekundenbruchteilen aus. Bleibt in dieser kurzen Zeit Gas im Bad gefangen, erstarrt es als Hohlraum. Ob dieses Gas überhaupt entsteht und ob es entweichen kann, entscheiden Werkstückzustand, Schutzgas und Prozessparameter.

Fachlich unterscheidet man zwei Porentypen mit unterschiedlichen Ursachen und Gegenmaßnahmen. Wer weiß, welcher Typ vorliegt, spart sich das Ausprobieren an den falschen Stellschrauben.

Infografik: 5 Ursachen für poröse Laserschweißnähte und passende Abhilfe – verschmutzte Oberfläche, unzureichendes Schutzgas, instabiles Keyhole, schlechte Fügepassung sowie Werkstoff und Wasserstoff
Fünf typische Ursachen poröser Laserschweißnähte und die jeweils passende Abhilfe (Richtwerte).

Metallurgische Poren oder Prozessporen? Der Vergleich

Die beiden Porentypen sehen im Schliff ähnlich aus, entstehen aber aus verschiedenen Gründen. Die folgende Tabelle hilft bei der Einordnung – sie ersetzt keine Schliffanalyse, gibt aber die Richtung vor.

Merkmal Metallurgische Poren (Gas-/Wasserstoffporen) Prozessporen (Keyhole-Poren)
Entstehung Gelöstes Gas – meist Wasserstoff – tritt beim Erstarren aus der Schmelze aus Instabiler Dampfkanal (Keyhole) kollabiert und schließt Dampf ein
Form Eher fein, rund, oft verteilt Eher größer, unregelmäßig, häufig am Nahtgrund
Hauptauslöser Öl, Fett, Rost, Feuchtigkeit, Oxidhaut, feuchter Zusatzwerkstoff Geschwindigkeit und Leistung unpassend, falsche Fokuslage, Tiefschweißen an der Grenze
Wichtigste Abhilfe Fügezone metallisch blank und trocken reinigen Parameterfenster stabilisieren, Fokus prüfen, ggf. Strahlpendeln

Oberfläche und Wasserstoff

Der häufigste Auslöser ist eine verschmutzte Oberfläche. Öl, Fett, Ziehfette, Rost oder Restfeuchte zersetzen sich unter der Laserwärme, setzen Wasserstoff frei und dieser löst sich in der Schmelze. Beim raschen Abkühlen sinkt die Löslichkeit schlagartig – der Wasserstoff „fällt aus“ und bildet feine Poren. Deshalb ist die metallisch blanke, trockene Fügezone die wirkungsvollste einzelne Maßnahme. Auch ein verschmutztes oder verbranntes Schutzglas an der Optik stört den Prozess; ein rechtzeitiger Blick auf die Schutzgläser der handgeführten Laserschweißoptik gehört zur Routine.

Schutzgas und Prozessstabilität

Reicht die Schutzgasabdeckung nicht aus – falsches Gas, ungleichmäßiger Fluss, Zugluft in der Halle – gelangen Stickstoff und Sauerstoff aus der Luft ins Bad. Für Stahl und Edelstahl ist Argon das gängige Schutzgas; bei gut wärmeleitenden Werkstoffen können Helium-Anteile helfen. Ebenso wichtig ist ein ruhiger, gleichmäßiger Gasstrom über eine intakte Schweißdüse – eine beschädigte oder falsch sitzende Düse verwirbelt das Gas und zieht Luft ein.

Was hilft konkret gegen poröse Nähte?

In der Praxis lohnt es sich, die Ursachen der Reihe nach abzuarbeiten, statt an allem gleichzeitig zu drehen:

  • Reinigen: Fügezone und angrenzenden Bereich entfetten und von Rost, Zunder und Feuchtigkeit befreien. Der Zusatzdraht sollte trocken und sauber sein.
  • Schutzgas prüfen: Richtiges Gas, gleichmäßiger Fluss, Düse und Schläuche dicht, Zugluft am Arbeitsplatz abstellen.
  • Parameter abstimmen: Leistung und Geschwindigkeit aufeinander abstimmen, damit das Keyhole ruhig bleibt; Fokuslage kontrollieren. Bei tiefen Nähten kann Strahlpendeln dem Gas mehr Zeit zum Entweichen geben.
  • Fügepassung: Spalt klein und gleichmäßig halten; im Spalt keine Verschmutzung einschließen.
  • Werkstoff beachten: Aluminium bildet eine feuchtebindende Oxidhaut – diese unmittelbar vor dem Schweißen entfernen.

Ein Wort zur Ehrlichkeit: Ganz auf null lassen sich Poren selten bringen, und je nach Anwendung ist das auch gar nicht nötig. Für eine dekorative Naht gelten andere Maßstäbe als für eine dichtgeschweißte oder dynamisch belastete Verbindung. Sinnvoll ist, den Porenanteil so weit zu senken, dass er die Anforderung der konkreten Baugruppe sicher erfüllt – nicht, jeden noch so kleinen Hohlraum um jeden Preis zu jagen.

Rolle von Gerät und Zubehör

Ein stabiler Prozess beginnt bei einer gut abgestimmten Anlage. Handgeführte Systeme wie das Laserschweißgerät der BD-X-Serie oder die 4-in-1 Handlaser-Schweißanlage liefern reproduzierbare Parameter, was das Keyhole ruhiger macht. Ebenso zählt der Zustand der Verschleißteile: saubere Optik, passende Düse, trockene Drahtzuführung. Eine Übersicht dazu findest du in den Kollektionen Laserschweißgeräte und Laserschweiß-Zubehör. Welches Gerät und welche Konfiguration zu deinem Werkstoff und deinen Nahtanforderungen passt, klärst du am besten in einer kurzen Beratung – gern erstellen wir dir dazu ein Angebot.

Häufige Fragen (FAQ)

Warum wird meine Schweißnaht porös?

Weil beim schnellen Erstarren Gas im Schmelzbad eingeschlossen wird. Meist stammt das Gas aus Verunreinigungen der Oberfläche (Öl, Rost, Feuchtigkeit) oder aus einem instabilen Prozess mit unzureichendem Schutzgas. Saubere Fügezone, passendes Schutzgas und abgestimmte Parameter beheben die meisten Fälle.

Wie erkenne ich Poren in der Schweißnaht?

Größere Poren zeigen sich als kleine Löcher oder Krater an der Nahtoberfläche. Feine, innen liegende Poren erkennt man sicher nur mit Prüfmitteln – etwa im Schliffbild oder per Röntgen. Ein plötzlich unruhiges Nahtbild oder Spritzer sind oft erste Hinweise auf einen instabilen Prozess.

Welches Schutzgas verhindert Poren beim Laserschweißen?

Für Stahl und Edelstahl ist Argon das gängige Schutzgas und deckt das Bad zuverlässig ab. Bei gut wärmeleitenden Werkstoffen können Helium oder Argon-Helium-Gemische helfen. Entscheidend ist neben der Gasart ein gleichmäßiger, ruhiger Gasfluss ohne Zugluft – das ist Richtwert und hängt von Optik und Anwendung ab.

Warum entstehen beim Aluminium-Laserschweißen so leicht Poren?

Aluminium trägt eine Oxidhaut, die Feuchtigkeit bindet und beim Schweißen Wasserstoff freisetzt – ein klassischer Porenbildner. Zusätzlich löst flüssiges Aluminium viel Wasserstoff, der beim Erstarren wieder austritt. Deshalb Oxidhaut unmittelbar vor dem Schweißen entfernen und auf trockene, saubere Oberflächen achten.

Können Poren die Festigkeit der Naht beeinträchtigen?

Ja, das ist möglich. Poren verringern den tragenden Querschnitt und können bei dynamischer Belastung als Rissausgangspunkt wirken. Wie kritisch das ist, hängt von Größe, Lage, Menge und den Anforderungen des Bauteils ab. Für dicht- oder sicherheitsrelevante Nähte gelten strengere Maßstäbe als für rein dekorative.

Wie reinige ich die Fügezone richtig vor dem Schweißen?

Zuerst entfetten (z. B. mit geeignetem Reiniger), dann Rost, Zunder und Oxidhaut mechanisch entfernen und die Fläche trocknen lassen. Für Edelstahl eine eigene, nicht mit Stahl kontaminierte Bürste verwenden. Ziel ist eine metallisch blanke, trockene Fügezone – das senkt die Porenneigung am stärksten.


Autor: beam.deals Fachredaktion · Laseranwendungstechnik

Alle Angaben sind allgemeine Richtwerte zur Orientierung und ersetzen keine anwendungsspezifische Prozessqualifizierung. Für die Auswahl von Gerät, Schutzgas und Parametern zu deinem Werkstoff sprich uns gern an.