„Soll ich auf Laserschweißen umsteigen oder bei WIG bleiben?" — diese Frage hören wir fast täglich. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf euer Teilespektrum an. Beide Verfahren haben ihre Berechtigung. Dieser Beitrag zeigt die Unterschiede so, wie sie in der Werkstatt wirklich ankommen — ohne Marketing.
Wie die beiden Verfahren arbeiten
WIG (Wolfram-Inertgas, TIG) schmilzt das Metall mit einem Lichtbogen zwischen einer Wolframelektrode und dem Werkstück, unter Schutzgas (meist Argon). Zusatzwerkstoff wird von Hand zugeführt. Das Verfahren ist extrem sauber und kontrolliert — verlangt aber viel Übung und bringt vergleichsweise viel Wärme ins Bauteil.
Handgeführtes Laserschweißen nutzt einen gebündelten Faserlaserstrahl. Moderne Handlaser-Systeme — wie die CW-Serie mit Faserlaserquellen bis 3000 W — führen den Strahl über eine Wobble-/Scanoptik, die den Fokus in einer einstellbaren Breite hin- und herbewegt. Das erzeugt eine gleichmäßige Naht, überbrückt Spalte und macht den Prozess auch für weniger geübte Hände beherrschbar. Geschweißt wird unter Schutzgas (üblich Argon oder Stickstoff), wahlweise mit oder ohne Zusatzdraht über einen Drahtvorschub.
Der direkte Vergleich
| Kriterium | Handgeführtes Laserschweißen | WIG |
|---|---|---|
| Wärmeeinfluss & Verzug | schmale Wärmeeinflusszone, deutlich verzugsärmer | höherer Wärmeeintrag, mehr Verzug |
| Geschwindigkeit | meist 2–4× schneller | langsamer |
| Nahtbild & Nacharbeit | glatte Sichtnähte, wenig Schleifen | sehr sauber, aber langsamer |
| Erlernbarkeit | in Stunden bis Tagen produktiv | lange Einarbeitung nötig |
| Sehr dünne Bleche / Feinstarbeit | möglich, Prozessfenster enger | traditionelle Stärke |
| Sonder-/Exotenwerkstoffe | je nach Werkstoff | sehr flexibel, etabliert |
| Spaltüberbrückung | gut, über Wobble & Zusatzdraht | begrenzt |
| Sicherheit | Laserklasse 4 — abgegrenzter Bereich, Schutzbrille | Lichtbogen, UV — klassischer Schweißerschutz |
Welche Materialien und Dicken?
Handgeführte Faserlaser schweißen zuverlässig Stahl, Edelstahl und Aluminium. Die erreichbare Einschweißtiefe hängt von Leistung, Nahtart, Spaltmaß, Schutzgas und Parametern ab — Systeme mit höherer Leistung erreichen entsprechend dickere Bauteile. Wichtig: Blanke, stark spiegelnde Oberflächen (z. B. poliertes Kupfer oder Aluminium) sind anspruchsvoller und erfordern angepasste Parameter — das gilt für den Laserprozess ebenso wie für die Arbeitssicherheit.
Wann WIG die bessere Wahl bleibt
Ehrlich bleiben: Wenn ihr überwiegend sehr dünne Bleche, filigrane Einzelstücke oder exotische Werkstoffe verarbeitet, bereits erfahrene WIG-Schweißer im Team habt und die Stückzahlen niedrig sind, ist der Umstieg nicht zwingend. Laserschweißen rechnet sich vor allem dort, wo Durchsatz, Wiederholbarkeit und geringe Nacharbeit zählen — also im seriennahen Metall-, Behälter- und Baugruppenbau.
Sicherheit ist kein Detail
Handgeführte Laserschweißsysteme sind Geräte der Laserklasse 4. Betrieb nur im abgegrenzten Laserbereich, durch unterwiesenes Personal und mit geeigneter Laserschutzbrille. Beim Schweißen entstehen Rauch und Partikel — eine Absaugung ist einzuplanen. Als Betreiber sind eine Gefährdungsbeurteilung und ein Laserschutzbeauftragter Pflicht. Mehr dazu auf unserer Sicherheitsseite.
Unser Praxis-Tipp
Die belastbarste Antwort liefert kein Datenblatt, sondern euer eigenes Bauteil. In unserem Anwendungszentrum schweißen wir eure Musterteile und zeigen euch Nahtbild und Tempo vor der Entscheidung — so seht ihr am realen Teil, ob und welches System sich für euch lohnt.
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